Zwischen Kultur und Regelwerk

Der Compliance Circle FFM diskutiert über die Bedeutung von Kommunikation für Compliance

Die noch junge Disziplin Compliance beschäftigt sich mit der Frage, wie sich Unternehmen regelkonform verhalten können. Das klingt zunächst logisch, ist aber in der Praxis oft unendlich schwer zu erreichen. Angesichts ständig zunehmender Verordnungen, staatlich gesteuerter Marktregulierung und ethischer Selbstverpflichtungen wird es immer schwierig, die Einhaltung eines Wertekonzepts zu gewährleisten und durchzusetzen. Das wird auch zur inhaltlichen Herausforderung für die Kommunikationsabteilung vieler Unternehmen.

In dieser Woche nahm sich daher der Compliance Circle Frankfurt am Main des Themas an. In  meinem Vortrag  mit dem Titel „Eine Frage der Kultur. Compliance zwischen gesetzlicher Pflicht und kommunikativer Herausforderung“  habe  ich das Spannungsfeld, das in vielen Unternehmen zwischen Kommunikations- und Compliance-Abteilung besteht, näher beleuchtet. Zwar ist die zentrale Rolle einer positiven Unternehmenskultur für den Erfolg von Compliance Management Systemen (CMS) durch Studien hinreichend belegt. In der Praxis der teilnehmenden Compliance Officer kommt das Thema Kommunikation aber oftmals noch zu kurz.

Mehr als bloße Regelbefolgung

Da aber Kommunikation ein Kernkriterium für den Compliance-Erfolg ist, hat FH mit dem PIKE Ansatz eine Methode entwickelt, die bei der Implementierung von CMS – in den Schritten Priorisieren, Implementieren, Kultivieren und Evaluieren – von der Strategie bis zur Umsetzung reicht. Das Thema Compliance sollte durch „Tone from the top“ priorisiert und die interne Rolle des CCOs gestärkt werden. Dazu wird in der Firma ein Werteprogramm, gemeinsam mit den Mitarbeitern, entwickelt und implementiert. Schritt für Schritt geht damit eine engere Vernetzung von HR, Compliance, Recht und Kommunikation einher und eine gelebte Wertepraxis entsteht. Mithilfe zahlreicher kommunikativer Maßnahmen wird Compliance im Arbeitsalltag der Mitarbeiter verankert und kultiviert. Compliance wird so zu einem natürlichen, selbstverständlichen und messbaren Teil der Unternehmenskultur.

Neben solchen integrierten Ansätzen zur Compliance Kommunikation wurden von den Experten  auch zahlreiche andere spannende Fragen diskutiert:

  • Wie kann man bestehende Compliance-Programme zum Beispiel nach Fusionen und Übernahmen anpassen und welche Rolle spielt die Kommunikation dabei?
  • Gibt es eine spezielle Form der Krisenkommunikation im Kontext von Compliance Verstößen?
  • Wie kann ein Compliance-Programm nach Problemen in einem Unternehmen neu gestartet werden?
  • Wie kann man Compliance aktiv  beim Reputationsaufbau des Unternehmens nutzen?

Es kristallisierte sich dabei der Konsens heraus, dass bei solchen Projekten  die Kommunikation zu einem zentralen Erfolgsfaktor werden kann und muss.  „Compliance,“ so meinte ein Teilnehmer, „liegt stets zwischen Kultur und Regelwerk.“ Beides muss erklärt, vermittelt und vorgelebt werden.

Daniel Konrad ist Berater bei FleishmanHillard. Zu seinen Schwerpunkten zählt Litigation-PR sowie Fragen rund um das Thema Compliance. Er twittert unter @dan_konrad  schreibt auch für den True-Affairs-Blog.

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